Rückkehr auf Zeit

28.09.2009

Bernwardsäule zieht vom Dom in die benachbarte Michaeliskirche

Hildesheim (kpg) – Im Zuge der anstehenden Sanierung des Hildesheimer Doms wird am Mittwoch, 30. September, die Bernwardsäule an die benachbarte evangelische Michaeliskirche ausgeliehen. Hier wird sie die kommenden fünf Jahre im Westchor des Gotteshauses stehen. Das Kunstwerk, das zum Weltkulturerbe der Unesco zählt, ist das erste, das den Dom verlässt.

Bernwardsäule im Dom
Die Bernwardsäule im Hildesheimer
Dom; Bildquelle: Media Plus X

Der Umzug der Bernwardsäule, auch Christussäule genannt, wird ein einmaliges Ereignis werden, verspricht Dr. Petra Meschede, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit im Bistum Hildesheim. Denn alle Neugierigen können live dabei sein, wenn der Schwertransporter mit dem 3,79 Meter hohen Bronzeguss die knapp 1000 Meter kurze Strecke vom Domhof über den Pfaffenstieg und die Burgstraße zum Michaelisplatz zurücklegt. Die Säule wird die Fahrt in drei Teile zerlegt in einer speziell angefertigten Holzkiste, die teilweise geöffnet ist, zurücklegen. Auch den Wiederaufbau des Kunstwerkes in St. Michaelis können Schaulustige verfolgen. Im Westchor der Kirche wird eine Leinwand aufgestellt. Zwei bis drei Stunden soll es dauern, bis die Bernwardsäule dann wieder zusammengesetzt ist. Ein Filmteam wird den kompletten Umzug dokumentieren.

Für die Säule ist der Umzug zugleich eine Rückkehr, wenn auch nur eine vorläufige. Denn der damalige Bischof Bernward ließ den Bronzeguss um 1020 herum eigentlich für die Michaeliskirche anfertigen. Hier stand sie bis zum 18. Jahrhundert. Um sie vor dem Schmelzofen zu bewahren, wurde die Säule nach der Säkularisierung von St. Michael 1810 von historisch interessierten Bürgern als mittelalterliches Kunstdenkmal auf dem Domhof aufgestellt und von dort schließlich aus konservatorischen Gründen Ende des 19. Jahrhunderts in den Dom überführt. Dass die Säule nun an ihren ersten Heimatort zurückkehrt, sei auch ein ökumenisches Zeichen angesichts des 1000jährigen Jubiläums von St. Michaelis im kommenden Jahr, so Meschede. „In diesem Zuge wird die Säule von der katholischen Kirche ausgeliehen. Aber nur geliehen! Wir möchten sie nach der Sanierung des Doms 2014 wieder zurückbekommen.“

Das Kunstwerk:

Die Bernwardsäule ist in der Kunstgeschichte in dieser Form einzigartig. Sie ist eines der größten plastischen Kunstwerke, das in der Romanik entstanden ist. Vorbild und Vorläufer ist die antike Trajans-Säule im Rom. Bischof Bernward ließ sie in bewusster Nachahmung der Kaisersäulen als Triumphsäule gießen. Sind dort die Ruhmestaten der Kaiser in einem spiralförmig sich aufwärts windenden Bilderfries dargestellt, so sind es hier 28 Szenen aus dem Leben Jesu, beginnend mit der Taufe im Jordan und endend mit dem Einzug in Jerusalem. Neben der Größe sind die halbplastisch herausgearbeiteten Figuren das herausragende Kennzeichen der Bernwardsäule. Gekrönt wurde sie ursprünglich von einem Triumphkreuz, das 1544 im Zuge der Reformation zu einer Kanone eingeschmolzen wurde.