Fragen und Antworten zur Domsanierung

Einige Fragen zur Sanierung und Umgestaltung des Hildesheimer Doms sind hier zusammengestellt und beantwortet.


Warum muss der Dom saniert werden?

Nach der Zerstörung des Domes 1945 wurde der Wiederaufbau nach einem langwierigen Entscheidungs- und Gestaltungsprozess erst 15 Jahre später abgeschlossen. Bis auf eine kleine Putzsanierung Anfang der 70efr Jahre sind am Dom seitdem keine Bauunterhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden.

Daher sind nach über 45 Jahren zum einen baulich-technische Gründe für die Domsanierung zu nennen: Die Gebäudetechnik (Heizung, Elektroanlage, Lüftung) muss erneuert und vor allem im Dom-Museum ein angemessener Brandschutz gewährleistet werden. Das Dach ist teilweise schadhaft, Sandsteinarbeiten sind auszuführen. Innen ist die Raumakustik verbesserungswürdig und die Lautsprecheranlage unzureichend. Innenputz und Anstrich stammen weitgehend aus den 50er Jahren und sehen nach dieser langen Zeit entsprechend schlecht aus.

Zum anderen entspricht die bauliche Anlage nicht mehr zeitgemäßen liturgischen Erfordernissen: Der Altar (derzeit stark erhoben im Vierungschor) ist zu weit von den Gläubigen entfernt. Die Ausstattung des Domes und die Gestaltung des Altarraums, die noch vor der Liturgiereform angelegt und seitdem nur an einzelnen Stellen verändert wurden, sind grundlegend neu zu ordnen, so dass die liturgischen Feiern im Dom Vorbildcharakter für das ganze Bistum haben können. Die Grablegen der verstorbenen Bischöfe sind zum Teil willkürlich an mehreren Stellen über den Dom verteilt. Die neu zu errichtende Bischofsgruft schafft eine würdige Alternative.

Drittens sind kulturell-historische Gründe sowie veränderte ästhetische Auffassungen zu nennen: Die Bernwardtüren müssen konservatorisch besser geschützt werden und sollen durch die veränderte Platzierung am Eingangsportal zum Dom besser zur Geltung kommen. Die derzeit noch vorhandenen massiven Pfeiler der Orgelbühne stören ebenso wie die Treppenanlage zum Nordparadies grundlegend den Raumeindruck des Domes als romanische Basilika.

Das Dom-Museum kann seine weltweit hoch bedeutende und wertvolle Sammlung der Öffentlichkeit derzeit quantitativ und qualitativ nur sehr unzureichend zugänglich machen. Der Zugang zum doppelstöckigen Kreuzgang mit der weltberühmten Hildesheimer Rose ist momentan nicht befriedigend gelöst. Er muss sowohl an den Dom als auch an das Dom-Museum besser angebunden werden.

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Was genau soll getan werden?

Im einem ersten Schritt bis zum Bistumsjubiläum im Jahr 2015 wird der Dom umfassend saniert und das Dom-Museum in die St. Antonius-Kirche verlegt, die als Kirchenraum aufgegeben wird.

Dom:
Durchgeführt werden Elektro- und Heizungsarbeiten, Maßnahmen zum Brandschutz und zur Verbesserung der Akustik, Anstrich, Dachrenovierungen und Steinmetzarbeiten. Die Bernwardtüren werden weiter nach innen versetzt. Die Skulpturenseite zeigt wieder nach außen. Dadurch entsteht unter dem Westwerk ein eigener Raum, der durch eigene Zugänge zu betreten ist. Die Orgelempore wird durch eine frei tragende Konstruktion ersetzt. Damit sind die jetzt störenden Säulen verzichtbar. Eine Bischofsgruft wird eingerichtet. Der Heziloleuchter sowie weitere Ausstattungsgegenstände erhalten ihren ursprünglichen Platz zurück. Der Thietmarleuchter, der derzeit in der St. Antonius-Kirche aufgehängt ist, wird im Chorraum platziert.

Dom-Museum:
Das Dom-Museum wird in die dafür umzubauende St. Antonius-Kirche verlegt und auf der deutlich erweiterten Ausstellungsfläche vollständig neu konzipiert. Der Lettner wird abgebaut, in einem eigenständigen Projekt restauriert und wieder im Museum aufgebaut.

Joseph-Godehard-Haus:
Hier werden keine Sanierungsarbeiten durchgeführt. Im Erdgeschoss wird die Technikzentrale des Dom-Museums eingebaut, im 1. Obergeschoss werden Räume für die Verwaltung des Dom-Museums hergerichtet.

Kapitelhaus mit Sakristei:
Einbeziehung in das Brandschutzkonzept, Rückbau der Klimaanlage, kleinere Renovierungsarbeiten in der Sakristei.

Domschule:
Umbau des rechten Flügels zu einem neuen Eingang für das Dom-Museum und den Kreuzgang (Rosenstock). Schaffung eines Besucherzentrums.

Bis 2015 nicht realisiert werden den vollständige Umbau der Sakristei und des Kapitelhauses sowie der Bau eines Domforums.

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Warum sollen die Bernwardtüren versetzt werden?

Die Bernwardtüren sind an ihrer jetzigen Stelle im Bestand stark gefährdet, weil die großen Temperaturunterschiede zwischen Innenraum und Außenseite Spannungen im Material erzeugen, was zu Rissen in den Reliefs geführt hat. Die Verlegung der Bernwardtüren weiter nach innen vermeidet diese Temperaturdifferenzen und bietet darüber hinaus die Möglichkeit, sie wieder in ihrer ursprünglichen und eigentlichen Sichtrichtung aufzustellen, nämlich mit den Reliefs nach außen.

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Wieso muss die Antonius-Kirche aufwändig in ein neues Dom-Museum umgebaut werden?

Die weltweit anerkannten und einzigartigen Schätze des Dom-Museums, insbesondere die mittelalterliche Bronzekunst, werden derzeit weit unter ihrer eigentlichen Bedeutung präsentiert. Die über das Bistum hinaus reichende Wertschätzung für die Sammlung wird auch dadurch sichtbar, dass Zuschussgeber wie die Europäische Union und große Stiftungen die Kosten für die Umgestaltung des Dom-Museums zu sehr großen Teilen übernehmen wollen.

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Wo finden während der Bauarbeiten die Pontifikalmessen statt?

Als Ausweichkirche für die großen Bischofsmessen wird während der Bauphase die Basilika St. Godehard genutzt werden, die unweit vom Dom gelegen ist. Die bisher im Dom abgehaltenen wöchentlichen Gottesdienste werden in St. Godehard und St. Magdalenen gefeiert (Gottesdienstzeiten).

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Wo finden zukünftig die Gottesdienste statt, die bislang in der St. Antoniuskirche gefeiert wurden?

Die Gottesdienste, die bislang in der St. Antoniuskirche gefeiert wurden, werden in eine oder mehrere der katholischen Innenstadtkirchen verlegt werden. Die Orgelausbildung soll in der St. Magdalenenkirche stattfinden, für die auf Kosten der Klosterkammer Hannover und des Bistums eine neue Orgel der Firma Seiffert aus Kevelaer gebaut wurde.

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Wie ist man zu der jetzigen Entscheidung gekommen?

In einem ersten Schritt wurde von 2002 bis 2005 ein Konzept für die Renovierung des Hildesheimer Domes einschließlich des Dom-Museums, des Kreuzgangs und der angrenzenden Bauten erarbeitet. Es beschreibt Visionen für die zukünftige Gestaltung des Bauwerks mit den pastoralen und liturgischen Wünschen für eine Umgestaltung. Auf dieser Grundlage wurde im Jahr 2005 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den Schilling Architekten (Köln) gewann.

In intensiven Beratungen im letzten Jahr wurde der modular angelegte Masterplan des Architekten für die Zeit bis 2015 (Bistumsjubiläum) konkretisiert und zunächst auf die Abschnitte Dom und Dom-Museum konzentriert. Dies bedeutet für die nächsten Jahre Abstriche beim Gesamtkonzept und erbringt im Vergleich zur ursprünglich benötigten Bausumme eine deutliche Reduzierung der Kosten. Nicht realisiert werden zunächst die Umgestaltung des Kapitelhauses mit Sakristei, der Umbau des Joseph-Godehard-Hauses und der Domschule sowie der Neubau des Domforums an Stelle des derzeitigen Kardinal-Bertram-Hauses.

Das als Bauherr zuständige Domkapitel hat am 7. Dezember 2009, der Vermögensverwaltungsrat am 21. Dezember 2009 Umfang und Kostenrahmen der Domsanierung beschlossen.

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Was kostet die Renovierung und wie soll das finanziert werden? (Stand: Mitte 2014)

Die Kosten für das Gesamtprojekt belaufen sich auf 37,2 Mio. EUR. Sie verteilen sich wie folgt:

  • Sanierungskosten für den Dom (einschl. Sakristei und Kapitelhaus): 15,0 Mio. EUR;
  • Kosten für das neue Dom-Museum, also vor allem für den Umbau der früheren Antoniuskirche, die Sanierung des Rittersaales und die Sanierung der Domschule: 13,3 Mio. EUR;
  • Kosten für sonstige Bautätigkeiten und die Neugestaltung des Domhofs (einschließlich Parkplätze am Generalvikariat): 5,3 Mio. EUR;
  • Aus- und Einbau der künstlerischen Ausstattung, Restaurierung von Kunstobjekten, liturgische Ausstattung: 1,2 Mio. EUR;
  • Wissenschaftliche Untersuchungen, archäologische Forschung: 1,4 Mio. EUR;
  • Sonstige Kosten (Dokumentation, Verwaltungskosten, sonstige Nebenkosten etc.): 1 Mio. EUR.

Zur Finanzierung der Gesamtprojektkosten wird das Bistum ca. 18,3 Mio. EUR aus Kirchensteuermitteln aufbringen. Ca. 16,4 Mio. EUR wird das Bistum von öffentlichen Zuschussgebern, Stiftungen und kirchlichen Hilfswerken erhalten. Weitere 2,5 Mio. EUR sollen durch Spenden von Einzelpersonen und Unternehmen aufgebracht werden.

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Warum wird die Domsanierung teurer als geplant? (Stand: Mitte 2014)

Vor Beginn der Bauarbeiten hat das Bistum im Jahre 2009 die Kosten für das Sanierungsprojekt mit 29,98 Mio. EUR angegeben. 2013 ergab sich eine Kostensteigerung von 5,6 Mio. Der Unterschied ließ sich damals wie folgt erklären:

  • Für die Sanierung der Domkirche (einschließlich Sakristei und Kapitelhaus) benötigen wir etwa 1,2 Mio. EUR mehr als ursprünglich veranschlagt. Dieser Betrag ergibt sich vor allem aus Mehrkosten für den Wandputz, der aus technischen Gründen entgegen den ursprünglichen Planungen komplett ersetzt werden musste, aus den gestiegenen Kosten der Orgel (insbesondere Materialkosten) und aus Kosten für Arbeiten am Kapitelhaus, in dem ein Raum für Jugendarbeit eingerichtet wird.
  • Für die Bauarbeiten für das neue Dom-Museum werden zusätzlich etwa 175.000 € benötigt, vor allem für die Einrichtung eines Magazins im Josef-Godehard-Haus, das in dieser Form ursprünglich nicht vorgesehen war.
  • Die umfangreichen Arbeiten im Außenbereich, die durch UNESCO-Fördermittel erst ermöglicht werden konnten, ziehen Mehrkosten in Höhe von 1,1 Mio. EUR nach sich.
  • Es entstehen Kosten in Höhe von ca. 1,2 Mio. EUR für wissenschaftliche Forschungen, vor allem die archäologischen Grabungen und deren Auswertung.
  • Für die Restaurierung von Kunstobjekten und für die künstlerische und liturgische Ausstattung der Domkirche investiert das Bistum 1,2 Mio. EUR.
  • Ein Betrag von etwa 800.000 EUR ist für sonstige Kosten aufzubringen, z. B. für die Umbettung der Bischöfe und für die Dokumentation der Bauarbeiten.

Dies bedeutet, dass die Kosten für die eigentlichen Bauarbeiten an der Domkirche, am Dom-Museum und für die Sanierung der Außenanlagen gegenüber der Planung von 2009 um etwa 2,5 Mio. EUR gestiegen sind. Diese Steigerung erklärt sich vorwiegend aus zusätzlich beauftragten Arbeiten.

Etwa 3,1 Mio. EUR gibt das Bistum für Arbeiten aus, die mit dem Projekt der Domsanierung im Zusammenhang stehen bzw. es ergänzen, nämlich vor allem für die Restaurierung verschiedener Kunstobjekte und die Erneuerung der liturgischen Ausstattung, für die wissenschaftlich-archäologische Begleitung der Sanierungsarbeiten und für andere zusätzliche Arbeiten. Diese Kosten waren in dem Betrag von 29,98 Mio. EUR nicht enthalten.

Zum Ende der Sanierung ergaben sich Mitte 2014 schließlich Gesamtkosten von 37,2 Mio. Euro.

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Wer ist für die Domrenovierung verantwortlich?

Bauherr und zuständig für alle Belange des Domes ist das Domkapitel, dem der Domdechant, Weihbischof Hans-Georg Koitz, vorsteht.

Im Auftrage des Domkapitels verantwortet Generalvikar Prälat Dr. Werner Schreer als Projektleiter die Renovierung des Domes. Die Projektsteuerung liegt in den Händen von Herrn Dipl.-Ing. Norbert Kesseler und Herrn Dr. Markus Güttler.

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Wie passt ein solches Projekt zu Kürzungen an anderer Stelle?

Unstrittig ist, dass im Bistum Hildesheim weiter gespart und daher an der mittelfristigen Struktur- und Finanzplanung „Eckpunkte 2020“ festgehalten werden muss.

Dennoch gibt das Bistum mit gutem Grund viel Geld für die Sanierung des Domes und den Umbau des Dom-Museums aus:

Auch wenn strukturell weiter Reduzierungen notwendig sind, um den Bistumshaushalt ausgeglichen zu halten, muss weiter gezielt investiert werden. Das gilt für das ganze Bistum ebenso wie für den Mariendom in Hildesheim. Als Zentral- und Bischofskirche hat er eine besondere und herausgehobene Bedeutung für das Bistum. Gerade in einer Zeit der Umbrüche in den Kirchengemeinden ist es wichtig, dass Liturgie, Pastoral und Glaubensverkündigung im Bistum einen sichtbaren Mittelpunkt im Dom haben.

Kirche hat sich darüber hinaus immer auch als Kulturträger verstanden und wird so auch von kirchlich nicht gebundenen Menschen wahrgenommen. Das Bistum hat damit eine große Verantwortung für das ihr anvertraute Welterbe. Die Geschichte des Bistums ist in Hildesheim bis in die Gegenwart hinein fassbar und lebendig. Es gilt, sie auch für künftige Generationen zu bewahren. Das Bewusstsein für unsere kulturelle Herkunft, die im Bistum Hildesheim über 1000jährige Wurzeln hat, muss immer wieder neu gestärkt werden, um historische Vorgänge wirklich begreifen und aus der Geschichte lernen zu können. Historische Zeugnisse müssen auch im 21. Jahrhundert erhalten bleiben.

Natürlich müssen einmalige Investitionen in einem angemessenen Verhältnis zu notwendigen strukturellen Reduzierungen in anderen Bereichen stehen. Bischof und Domkapitel sind davon überzeugt, mit den jetzigen Planungen ein vernünftiges und tragfähiges Modell für die notwendige Sanierung und Umgestaltung von Dom und Dom-Museum gefunden zu haben.

Selbstverständlich werden alle Baumaßnahmen am Dom sehr gründlich geplant und kostenbewusst umgesetzt.

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Erst ist der Hezilo-Leuchter aufwändig restauriert worden, jetzt wird der Dom saniert. Gibt die Kirche nicht mehr Geld für tote Gegenstände aus als für lebendige Menschen?

Das ist nicht der Fall. Der überwiegende Teil des Bistumshaushalts wird zur Finanzierung der Pastoral in den Kirchengemeinden, der Arbeit der Caritas und der kirchlichen Schulen und Bildungseinrichtungen verwendet. Zu jeweils sehr großen Anteilen handelt es sich dabei um Personalkosten. Darüber hinaus sind aber immer wieder Erhaltungsmaßnahmen auch im Baubereich notwendig.

Detaillierte Auskünfte über die Einnahmen und Ausgaben des Bistums finden sich im jeweiligen Geschäftsbericht des Bistums Hildesheim, der bei Interesse gerne zugesandt wird.

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