„Verheißung auf kommende Herrlichkeit“

Bischof Norbert Trelle weiht sechs neue Glocken für den Hildesheimer Dom

Die neuen Glocken für den renovierten Dom sind geweiht. Am Mittwochabend salbte der Hildesheimer Bischof Norbert Trelle die sechs Glocken im Rahmen einer Andacht auf dem Domhof. Am Donnerstagvormittag wurden sie in den Westturm gehoben.

Bischof Trelle salbt die nach dem Hl. Oliver Plunkett benannte Glocke mit Chrisamöl, rechts daneben Diakon i. R. Günther Nerger

Bischof Trelle salbt die nach dem Hl. Oliver
Plunkett benannte Glocke mit Chrisamöl,
rechts daneben Diakon i. R. Günther Nerger,
Foto: bph

Einige hundert Zuschauer hatten sich vor dem Westwerk des Hildesheimer Domes eingefunden, um erstmals die neuen Glocken zu bewundern und bei der Weihe dabei zu sein. Als „Verheißung auf die kommende Herrlichkeit“ bezeichnete Bischof Norbert Trelle das abendliche Ereignis und blickte damit in Richtung 15. August, wenn der Dom wieder geöffnet wird und die Glocken des Gotteshauses erstmals im neuen Ensemble erklingen. „Die Glocken sollen durch ihre Stimme die Menschen aufmerksam machen auf einen Ort, an dem das Lob Gottes nie verstummen soll“, freute sich Trelle über eine weitere Etappe auf dem Weg zum neuen Dom. Die sechs „Neuen“ ergänzen dann die bisherigen sechs Glocken, von denen die älteste noch aus dem Jahr 1765 stammt.

„Glocken können uns ein Beispiel sein: Auch wir können mit unserem ‚Klang‘ einen Eindruck der Liebe Gottes vermitteln und ebenfalls in die Ferne wirken. Was wir sagen und wie wir es sagen, hat eine Wirkung, manchmal über die Zeit hinweg“, sagte Trelle. Er erinnerte an Glocken in den Bergen, die man über weite Distanzen hinweg immer noch gut hören kann. „Unser Leben kann wie eine Melodie, ein Klangkörper sein, der in anderen weiterlebt“, betonte der Bischof.

Eine Glockenweihe zählt zu den ureigenen Aufgaben eines Bischofs. Dabei kommt neben Weihwasser und Weihrauch auch Chrisamöl zum Einsatz. Nach der Salbung der Glocken wurde jede drei Mal von ihrem „Schöpfer“, dem Glockengießer Albert Bachert, mit einem Klöppel zum Klingen gebracht. Im November waren sie in der Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen worden. Die größte hat ein Gewicht von 850 Kilogramm und einen Durchmesser von 110 Zentimeter, die kleinste wiegt 180 Kilogramm und misst 64 Zentimeter. Sie tragen die Namen von Glaubenszeugen, die im Bistum Hildesheim besonders verehrt werden: Martin von Tours, Bischof Altfrid, Hedwig von Schlesien, Oliver Plunkett, Niels Stensen und Edith Stein.

Die Finanzierung der Bronzeglocken erfolgte ausschließlich über Spenden, die Gesamtkosten des Projektes belaufen sich auf 210.000 Euro. Ausdrücklich bedankte sich Domdechant Hans-Georg Koitz bei allen, die zum Gelingen beigetragen haben, insbesondere beim Dombauverein und dem Fundraisingbüro im Bistum Hildesheim.

Der gleichzeitige Guss von sechs Glocken für eine einzige Kirche sei ein außergewöhnliches Ereignis, betonte der zuständige Sachverständige Andreas Philipp. Normalerweise für die hannoversche Landeskirche und das Bistum Erfurt aktiv, betreute er über mehr als sechs Jahre das Projekt, von der Konzepterstellung bis zur Aufhängung. Eine besondere Herausforderung war dabei, Tonhöhe und Toncharakter an die alten Glocken von Friedrich Wilhelm Schilling anzupassen. „Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden, für drei Glocken war noch nicht einmal eine Nachstimmung erforderlich“, freute sich Bachert.

Mit einem Kran wurden die Klangkörper am Donnerstagvormittag in den Glockenstuhl des Westwerkes gehoben. Dort werden sie im Juli in den Glockenstuhl gehängt.

Video zur Weihe und zum Transport ins Westwerk